Überbauung Margrethenpark
Ballwil
Auf dem ehemaligen Galliker-Areal in Ballwil entsteht ein neues Quartier, das zwischen Verkehrsraum und Dorfstruktur vermittelt. Die Transformation folgt nicht der Logik eines radikalen Bruchs, sondern einer schrittweisen Überlagerung von Geschichte, Nutzung und architektonischer Haltung. So entwickelt sich aus der industriellen Vergangenheit ein städtebaulisches Gefüge mit präziser Setzung und differenzierter Massstäblichkeit.
Die Überbauung orientiert sich am geltenden Gestaltungsplan und übernimmt dessen Grundidee einer kleinteiligen, in Etappen realisierbaren Volumetrie. Vier klar geschnittene Baukörper – in der ersten Etappe werden zwei realisiert – fügen sich entlang der Luzernerstrasse und der Bahngeleise in das bestehende Dorfbild ein, ohne es zu dominieren. Die Massivität des Eingriffs wird über die Gliederung der Volumen, die Staffelung der Geschosse und den Rücksprung der Fassaden gezielt gebrochen. Die räumliche Organisation verhindert direkte Einblicke und fördert dennoch ein lebendiges Beziehungsgeflecht zwischen den Häusern.
Im Sockelgeschoss verschränken sich Wohnen und Arbeiten: Gewerbeflächen ergänzen die Wohnnutzung um öffentliche und halböffentliche Funktionen. Darüber entstehen Eigentums- und Mietwohnungen, die auf unterschiedliche Lebenssituationen reagieren. Die Grundrisse sind so organisiert, dass trotz der Nähe zur stark befahrenen Kantonsstrasse ruhige Wohnverhältnisse entstehen – durch geschickte Zonierung, spezielle Verglasungen und Loggien, die gleichzeitig Schutz und Aufenthaltsqualität bieten. Der Wohnbereich bleibt strukturell gegliedert: Während Essbereich und Küche das kommunikative Zentrum bilden, dient das Wohnzimmer als separierbarer Rückzugsraum. Die Mehrseitigkeit der Orientierung eröffnet spannende Blickbezüge, Lichtführungen und Raumwirkungen.
Materialität und Konstruktion unterstreichen die Haltung des Projekts. Der fünfgeschossige Holzbau zählt zu den grössten im Seetal und verweist auf die Rolle des nachwachsenden Baustoffs in der zeitgenössischen Baukultur. Vertikale und horizontale Metallelemente strukturieren die dunkle, vorgehängte Holzfassade und verleihen den Volumen eine ruhige, spannungsvolle Plastizität. Auch das Sockelgeschoss ist in Holzbauweise ausgeführt, mit geschliffenen Brettern und Deckelschalung, die eine robuste, aber präzise handwerkliche Präsenz erzeugen.
Die energetische Versorgung erfolgt über eine Grundwasser-Wärmepumpe in Kombination mit einer PV-Anlage, was eine nahezu CO₂-neutrale Betriebsweise ermöglicht. Die architektonische Haltung wird damit durch eine ökologische Strategie ergänzt, die nicht plakativ, sondern systematisch integriert ist.
Zentrum der Überbauung ist ein grosser, ostseitig gelegener Innenhof, der als halböffentliche Begegnungszone funktioniert. Durch den Anschluss an die bestehende Einstellhalle wird der Aussenraum weitgehend vom motorisierten Verkehr befreit – ein feinmaschiges Wegenetz für Fussgänger und Velos sichert dennoch die Durchlässigkeit. So entsteht ein Quartier, das sich nicht über Gesten, sondern über seine innere Logik und räumliche Qualität definiert – ein neuer Baustein im Wandel des Ballwiler Oberdorfs.